CQTA Robert Krupp (del Valle)

Zweite Heimat

Guatemala

Zwei Sprachen, zwei Selbstverständlichkeiten. Beides hat geprägt, wie ich arbeite — und warum ich in internationalen Programmen/Initiativen selten davon ausgehe, dass etwas überall gleich verstanden wird.

Wie es dazu kam

Mein Vater hat sein ganzes Berufsleben im Kaffeehandel verbracht. Handel war bei uns deshalb nichts Abstraktes, sondern Alltag: Ernten und Preise, Häfen und Verträge, Partner in Ländern, die in der Schule bestenfalls als Randnotiz vorkamen.

Die Verbindung nach Guatemala selbst kam über meine Mutter: Sie stammt von dort und ist bis heute fest verwurzelt. Zusammen mit dem Kaffeehandel meines Vaters ergab das eine Kindheit, in der beide Enden derselben Handelskette am Esstisch saßen — die Seite, die einkauft, und die Seite, von der eingekauft wird. Der Name del Valle kommt von ihr.

Robert als Kind zu Pferd auf der Finca Rosario Churruaramos in Guatemala
Robert, 11 Jahre, auf der Finca Rosario Churruaramos,
Municipio de Yepocapa

Kaffee ist dafür eine gute Schule. Er wächst an einem Ort und wird an einem völlig anderen getrunken, und dazwischen liegen Menschen, Wetter, Währungen, Logistik und sehr viel Vertrauen. Läuft eine Stelle in dieser Kette nicht, nützt der beste Plan am Schreibtisch nichts. Wer damit aufwächst, hält globale Lieferketten später nicht für eine Folie im Strategieworkshop.

Hamburg und Guatemala sind über diesen Rohstoff seit Generationen verbunden — die eine Seite als einer der großen europäischen Umschlagplätze, die andere als Anbaugebiet, dessen Hochland zu den besten der Welt gehört. Dass ich heute in Hamburg arbeite und Guatemala meine zweite Heimat ist, hat also eine gewisse Logik.

Spanisch habe ich deshalb nicht gelernt, sondern gesprochen, bevor ich darüber nachgedacht habe. Ein Teil der Familie lebt nach wie vor dort. Guatemala ist für mich kein Reiseziel, sondern ein Ort, an den man zurückkommt.

Bisher verband der Handel die Welt — nun ist es auch die Digitalisierung.

Die Aufgabe hat sich weniger verändert, als es aussieht. Früher waren es Häfen, Verträge und Schiffslinien, heute sind es Systeme, Datenmodelle und Prozesse. In beiden Fällen geht es darum, Orte zusammenzubringen, die wenig voneinander wissen, und sie zu gemeinsamen Regeln zu bewegen. Genau das mache ich heute in Transformationsprogrammen.

Was davon in der Arbeit steckt

Zweisprachig aufzuwachsen ist kein Hobby, das man neben dem Beruf pflegt. Es verändert, wie man Organisationen liest. Manches davon taucht in fast jedem Projekt wieder auf.

  • Kein Standard ist selbstverständlich

    Wer früh erlebt hat, dass derselbe Vorgang an zwei Orten völlig anders läuft, plant globale Roll-outs anders. Prozessharmonisierung heißt nicht, allen die Zentrale überzustülpen.

  • Vertrauen kommt vor dem Plan

    In vielen Kulturen entsteht Zusammenarbeit über Beziehung, nicht über den Projektplan. Das ist keine Weichheit — es ist der Grund, warum Veränderung im Werk ankommt oder eben nicht.

  • Lieferketten sind Menschen

    Aus dem Kaffeehandel mitgenommen: Eine Kette reißt selten am System, sondern an der Stelle, an der jemand nicht eingebunden war. Das prägt, wie ich Prozesse aufnehme.

  • Gespräche ohne Übersetzungsschicht

    Spanisch ist Muttersprache: Workshops, Interviews und schwierige Gespräche in Lateinamerika und Spanien laufen ohne Dolmetscher — das spart nicht nur Zeit, es verändert, was Menschen einem erzählen. Englisch ist nicht meine Muttersprache, aber seit einem Schuljahr in Detroit und vielen Jahren in internationalen Programmen/Initiativen meine dritte Arbeitssprache.

Das Land, kurz

Guatemala ist kleiner als Bayern und Baden-Württemberg zusammen und trotzdem eines der vielfältigsten Länder Lateinamerikas: über zwanzig Maya-Sprachen werden neben Spanisch gesprochen, Vulkane bestimmen den Horizont, und der Kaffee aus dem Hochland gehört zu dem Besten, was es gibt.

Guatemala-Stadt pulsiert. Antigua ist der Ort, an dem man nach zwei Stunden nicht mehr weg will. Der Volcán de Fuego bricht wirklich aus, nicht nur auf Postkarten. Der Atitlán-See gehört zu den schönsten Seen der Welt, und in Tikal steht man mitten in der Maya-Kultur, statt über sie zu lesen. Das sind nur ein paar Orte von vielen.

Lago de AtitlánEiner der schönsten Seen der Welt
Volcán de FuegoEchte Eruptionen
AntiguaFeel-Good-Place
TikalDie Welt der Maya
Guatemala-StadtPuls des Landes

Guatemala in Bewegung

Wer noch nie dort war: der offizielle Imagefilm des guatemaltekischen Tourismusinstituts — Landschaften, Städte und Kultur in wenigen Minuten.

Das Video wird erst geladen, wenn Sie es starten. Vorher wird keine Verbindung zu YouTube aufgebaut und es werden keine Daten an Google übertragen.

Quelle: „Video INGUAT Guatemala“, Instituto Guatemalteco de Turismo (INGUAT), YouTube-Kanal tvinguat. Zum Video auf YouTube

Herausforderungen in Spanien oder Lateinamerika?

Wenn Ihr Vorhaben spanischsprachige Standorte berührt, freue ich mich auf den Dialog — auf Deutsch, Spanisch oder Englisch, ganz wie es Ihnen liegt.

Kontakt aufnehmen